Weingüter im Ruwertal

Wo Brandt und Kohl einkehrten

Willi Brandt mit Benedikt Schenk 1960 vor dem Weingut Schenk-Oster.

Das Ruwertal ist eine Oase für Weinliebhaber, die bei vielen Winzern einkehren und  probieren können. Bei Schenk-Oster in Waldrach waren schon viele Prominente zu Gast, beim Dominikaner-Weingut in Kasel handelt es sich um die älteste Sektmanufaktur des Ruwertals, und die Geschichte von Maximin Grünhaus reicht bis in die Römerzeit zurück.

 

Die älteste Weinstube des Ruwertals steht in Waldrach. Hier sind bereits Prominente wie die ehemaligen Bundeskanzler Willy Brandt und Helmut Kohl oder der Atomphysiker Otto Hahn eingekehrt. Eröffnet wurde sie 1937 von Barbara und Benedikt Schenk-Oster. „Seitdem hat sich hier nicht viel verändert, außer dass mal eine Glühbirne ausgewechselt wurde“, sagt Barbara Wünsch-Schirmer, die heutige Inhaberin der Weinstube und damit auch des Weingutes B. Schenk-Oster. Sie ist die Enkelin von Benedikt Schenk und Barbara Oster, die das Weingut 1929 inklusive der dazugehörigen Weinberge gekauft haben. „In einer Zeit, in der noch keiner über Emanzipation nachgedacht hat, war es schon üblich, dass wenn sich Frau und Mann zusammentaten, um einen Betrieb aufzubauen, diesen Betrieb auch mit beiderlei Namen benannt haben. Und da beide Vornamen mit B beginnen, wurde daraus das Weingut B. Schenk-Oster“ erklärt die Winzerin.

Sie übernahm den Betrieb 1989 von ihrer Mutter, nachdem sie Getränketechnologie in Geisenheim studiert hatte. „Ich hab mich schon immer für den Weinbau interessiert“ sagt sie. Faszinierend findet sie am Weinbau, dass Wein ein Naturprodukt ist. „Man hat jedes Jahr die Spannung: Was wird daraus?“, sagt sie. „Man muss ständig mit Interesse die Natur beobachten. Außerdem habe ich durch den Weinverkauf, die Weinstube und die Übernachtungen mit vielen unterschiedlichen Menschen zu tun. Ich finde die Kommunikation mit den Menschen einfach fantastisch.“

250 Jahre Familientradition im Weinbau

Auf eine ähnlich lange Familientradition kann das Dominikaner-Weingut von Christoph von Nell in Kasel zurückblicken. Es wurde vor über hundert Jahren von den Vorfahren des heutigen Besitzers gebaut, der das Weingut 1970 von seinem Vater übernommen hat. „Ich habe mich von Haus aus für Wein interessiert“, sagt er lächelnd, schließlich betreibt seine Familie seit 250 Jahren Weinbau. Deswegen habe er auch eine Ausbildung zum Kellermeister gemacht. „Ich finde das Medium Wein an sich schon interessant. Aus dem Nichts mache ich ein schönes Getränk mit Hilfe der Sonne und des Wetters.“

Unmittelbar um Ruwer-Hochwald-Radweg liegt das Dominikaner-Weingut.

Seinen Namen hat das Weingut vom Dominikanerberg, der im Alleinbesitz der Familie von Nell ist. Dort wird ausschließlich Riesling angebaut. Dennoch hat sich Christoph von Nell nicht nur dem Weißwein verschrieben. Zum Weingut gehört auch die älteste Sektmanufaktur des Ruwertals, wo der Sekt traditionell von Hand gerüttelt wird. Auf dem Kaseler Nies’chen wird außerdem Spätburgunder angepflanzt, so dass sich im Sortiment des Dominikaner-Weingutes auch Rotweine befinden. Die „Urdomäne“ des Weinguts, wie der Winzer sich ausdrückt, sind die herben Weine. Die hohe Qualität seiner Weine haben ihm bereits den Staatsehrenpreis des Landes Rheinland-Pfalz eingebracht.

Spitzenweingut steht auf römischen Mauern

Im Ruwertal finden sich auch große Spitzenweingüter wie das Weingut Maximin Grünhaus in Mertesdorf. Erstmals urkundlich erwähnt wird das Weingut im Jahre 966, als Kaiser Otto I. Gebäude, Weinberge und Ländereien dem Benediktinerkloster Sankt Maximin in Trier geschenkt hat. Die ältesten Kellermauern des Gebäudes stammen jedoch aus der Römerzeit. Bis 1802 wurde Maximin Grünhaus von den Benediktiner-Mönchen betrieben, die auch dort lebten. „Teilweise haben die Zimmer heute noch Zellengröße“, sagt Renate von Schubert, Ehefrau des heutigen Inhabers Carl Ferdinand von Schubert.

Blick vom Maximin Grünhäuser Abtsberg auf das Weingut Maximin Grünhaus in Mertesdorf.

Nach der Säkularisation unter Napoleon war der Betrieb bis 1810 unter französischer Verwaltung. Im Jahre 1882 wurde das Weingut dann von Freiherr von Stumm-Halberg, dem Urgroßvater des heutigen Besitzers, erworben. Während des Zweiten Weltkrieges dienten die tiefen Keller als Bunker für die Bewohner im Dorf. 1980 übernahm Carl Ferdinand von Schubert die Leitung des Weingutes und baut seitdem ausschließlich Riesling an. „Unser Anliegen ist es zu zeigen, welches Potenzial der Riesling hat“, sagt Renate von Schubert. Der Wein wird überwiegend in alten Eichenholzfässern ausgebaut, denn die sind für den Riesling laut von Schubert „das A und O“. Der Inhaber setzt außerdem auf naturnahen Anbau mit mäßiger Düngung, eingeschränktem Pflanzenschutz und schonenden Ausbau, nach dem Motto „So wenig Behandlung wie möglich, nur so viel wie nötig“.

 

Hintergrund

Weingut B.Schenk-Oster:

Rebfläche: 3 Hektar

Jahresproduktion in Flaschen: 15.000-20.000

Rebsorten: Riesling

 

Dominikaner-Weingut:

Rebfläche: 7 Hektar

Jahresproduktion in Flaschen: 50.000

Rebsorten: 90 Prozent Riesling, 10 Prozent Spätburgunder

 

Maximin Grünhaus:

Rebfläche: 34 Hektar

Jahresroduktion in Flaschen: 200.000

Rebsorten: Riesling

Winzergenossenschaft

Gerhard Biewer, Ernst Thesen, Stephan Biewer, Josef Biewer, Anne Biewer und Ludwig Scherf (v.l.) sind sechs der dreizehn Mitglieder der Kaseler Winzergenossenschaft. Auf einer Rebfläche von 2,4 Hektar werden zu 98 Prozent Riesling und zu zwei Prozent Müller-Thurgau angebaut. „Man sagt, damit wären wir die kleinste Winzergenossenschaft Deutschlands“, sagt Vorstand Ludwig Scherf. Gegründet wurde sie 1934 in Zeiten wirtschaftlicher Not. Damals schlossen sich dreizehn Winzer zusammen und bauten einen gemeinsamen Erzeugerbetrieb auf.