Wo früher die Bahn rollte

Visuelle Zeitreise durch den Hochwald

Noch einmal fahren Dieselloks, die Triebwagen der Baureihen VT 624/634 sowie der VT 798 samt Beiwagen, auch der ‚rote Flitzer’ genannt, von Trier nach Hermeskeil. Zugegeben, es ist eine Bilderreise, denn die Bahnstrecke ist mittlerweile zum Radweg geworden.

 

Der Bahnhof in Ruwer.

Dass es eine Bahn über den Hochwald geben muss, daran bestand im Jahre 1885 nach Aussage der Trierischen Landzeitung kein Zweifel:

„Wie sehr die Bahn ein Bedürfnis für den Hochwald ist, geht daraus hervor, daß jetzt wöchentlich Hunderte von Wagen mit schwachem Kuhgespann mit Kartoffeln durch das Ruwertal nach Trier fahren. Die armen Leute müssen bei schlechtem Wetter mit ihrem Vieh 4-5 Stunden zurücklegen und sind zwei volle Tage unterwegs und erhalten für den Zentner Kartoffel höchstens 1,50 Mark.“

 

 

Die Bahn in den Anfangszügen

Arbeiter beim Bau der Hochwaldbahn.

Nach diversen Vorarbeiten, konnte im Jahre 1886 endlich mit dem lang ersehnten Bau der Hochwaldbahn begonnen werden. Mühselig waren die Arbeiten allemal und nicht selten kam es zu Unfällen, die manches Mal sogar tödlich endeten. Die Arbeiter, die alle aus der Hochwaldregion stammten, arbeiteten für 1,80 Mark am Tag.

Am 14. August 1889 um Punkt 9 Uhr war es dann soweit: Die Hochwaldbahn wurde eingeweiht. Am folgenden Tag, an dem die Bahnstrecke offiziell eröffnet wurde, fuhr die Hochwaldbahn erstmals im Bahnhof Hermeskeil ein.

 

Die Hochwaldbahn - gehasst und geliebt zugleich

Die Bahn bei Kell am See.

Bereits im ersten Winter kamen die ersten Beschwerden. So schreibt die Trierische Landeszeitung vom 7. November 1889: „Es wird beklagt, daß der erste Personenzug bereits um 4 Uhr 34 in Hermeskeil abfährt. Im Sommer wäre das nicht so schlimm. Aber im Winter ist das selbst für den an frühes Aufstehen gewöhnten Landmann sehr unbequem, weil viele Ortschaften noch weit zum Bahnhof haben. Auch sieht man nicht ein, weshalb man einen Zug so früh abfahren läßt. Wenn man um 6 Uhr 52 in Trier angekommen ist, schlafen viele Städter noch. Man findet die meisten Läden noch geschlossen und ‚Kriegt auch noch kein Glas Bier’, wie neulich jemand sagte, der eine frühdurstige Kehle zu haben scheint… .“

  

Der Keller Bahnhof.

Die neue Bahnstrecke erobert schnell ihren Platz im Alltag der Hochwaldbewohner:  "Der Hilfsfeldmesser [Messgehilfe] B. von Kell will für seine Haushälterin eine Freikarte zum Markt nach Trier haben, weil das Gemüse und sonstige Lebensbedürfnisse in Kell nur schwer und teuer zu erhalten sind. Der Bürgermeister verweist ihn dahingehend, daß hiesige Ackersleute sich auf den Gemüsebau zum Verkauf wenig verlegen, sie ziehen ihr Gemüse selbst für ihren Bedarf, wie er solches als Bürgermeister auch tut."

Endstation für die Hochwaldbahn

Die Rationalisierungsmaßnahmen der Deutschen Bahn machten auch vor der Hochwaldeisenbahn nicht halt und am 31. Mai 1981 fuhr der letzte Zug von Trier nach Hermeskeil. Die Strecke wurde, zumindest vorerst, nur für den Personenverkehr, stillgelegt.

 

1997 wurde die endgültige Stilllegung der Strecke bekannt und fortan sollte sie, wenn überhaupt auf Rädern, dann nur auf Fahrrädern, befahren werden. Am 24.07.2000 berichtete der Trierische Volksfreund: „Die Initialzündung gab das gute Abschneiden von Jan Ullrich bei der Tour de France.“

Von der letzten Eisenbahnfahrt bis hin zur Demontage der Schienen.

Im Sommer 2005 werden die ersten Kilometer bei Reinsfeld freigegeben, so dass der ein oder andere sich bereits in den Ferien auf den Sattel schwingen kann. Endgültig wird der Ruwer-Hochwald-Radweg allerdings wohl erst 2009 fertig gestellt sein.

Literatur & Quellen

Lauer, Dittmar (1983), Der Hochwald, Günther & Enz-Verlag, Trier.

Lauer, Dittmar (1989), Mit der Hochwaldbahn durch's Ruwertal, Druckerei Ensch GmbH, Trier.

Heimat- und Kulturverein Kell am See/Jürgen Küster