Geschichte der Hochwald Bahn

Über den Hochwald nach Kalkutta

Dass die Eisenbahntrasse zwischen Trier und Hermeskeil irgendwann einmal zum Radweg umfunktioniert werden würde – damit hatte im Jahre 1850 wohl niemand gerechnet. Im Gegenteil, vor mehr als 150 Jahren hatte man noch eine ganz andere Vision: Eine Weltbahn sollte über den Hochwald führen, welche Teil der Verbindung zwischen London und dem indischen Kalkutta ist.

 

Die Hochwaldbahn anno 1911, die Trasse für den Radweg im Jahre 2005.

„Ohne Chance natürlich“ kommentiert Dittmar Lauer, Hobbyhistoriker aus Kell am See, das damalige Vorhaben und beschreibt die Hochwaldbahn als „eine Erschließungsbahn für das wirtschaftliche und soziale Leben des gesamten Hochwaldraumes.“ Insgesamt erstreckte sich die Hochwaldbahn, die im August 1889 offiziell eingeweiht und in Betrieb genommen wurde, über eine 59,2 Kilometer lange Strecke von Trier nach Hermeskeil entlang der Ruwer. Diese musste sogar eigens dafür mit 28 Brückenbauwerken überspannt werden, die auch heute noch zu sehen sind. Die Bahn diente in erster Linie den Bewohnern des Hochwaldes als Transportmittel für Rohprodukte wie Holz, Erz, Vieh sowie Lohe, bei derer es sich um Baumrinde handelt, die damals zum Gerben verwendet wurde. Umgekehrt wurde ihnen aber durch die Hochwaldbahn auch der Erwerb notwendiger Produkte erleichtert – so zum Beispiel die Beschaffung von Düngemittel zur Bearbeitung des kargen Hochwaldbodens.

Allerdings stand die Bahn nicht nur für das Nützliche, sondern auch für das Schöne im Hochwald: So erinnerte sich vor knapp 40 Jahren der Bahnreisende Georg Marx in der Heimatzeitung „Rund um Hermeskeil: "Naturfreunde und besinnliche Menschen, denen die Landschaft in ihrer Vielgestaltigkeit noch etwas zu sagen hat, fahren auch heute noch mit der Hochwaldbahn.“

BAHN ALS WOHLSTANDSBRINGER FÜR DEN HOCHWALD

Der Bahnhof Kell um das Jahr 1915.

„Die Eröffnung der Hochwaldbahn“, sagt Dittmar Lauer „war das Startzeichen für einen gewaltigen und nie für möglich gehaltenen Aufschwung im gesamten Hochwaldraum.“ Weit über die Landesgrenzen hinaus machte die Region vor allem durch die Schuhfabrik ROMIKA auf sich aufmerksam und noch heute bezeugt die ehemalige Werksanlage der Fabrikanten Rollmann, Michael sowie Kaufmann in Gusterath-Tal den plötzlichen Aufschwung entlang der Bahntrasse. In den Ortschaften Hermeskeil, Reinsfeld und Kell am See stiegen nicht nur die Einwohnerzahlen, sondern machten sich auch Industrieansiedlungen breit. Insbesondere über die Dorfentwicklung in Kell am See weiß der Geschichtsforscher Bescheid: „In Nähe des Bahnhofes wurden noch vor der Jahrhundertwende zwei Gasthäuser erbaut, den Neubauten der Bürgermeisterei und des Forsthauses folgten weitere Neubauten und Gewerbebetriebe. Ein neuer Dorfteil „ober der Bahn“ entstand.“

 

BEDEUTUNGSRÜCKGANG DER BAHN

Der Bahnhof Hermeskeil nach dem Sturmangriff 1945.

Erste Probleme traten in den Kriegsjahren des Ersten sowie Zweiten Weltkrieges auf: Vom Erliegen des Bahnverkehrs zur Zeit der französischen Besatzungsmacht im Ersten Weltkrieg, bis hin zur Zerstörung  von 23 der insgesamt 28 Brücken während des Zweiten Weltkriegs. Aber auch Bauwerke wurden durch den Krieg beschädigt und so traf es den Hermeskeiler Bahnhof Ende Februar 1945 besonders schwer als Bomben auf den Knotenpunkt fielen.

Zwar überdauerte die Hochwaldbahn diese Krisenjahre, jedoch stellten die Neuerungen der Nachkriegszeit eine unüberwindbare Hürde für die weitere Existenz der Bahn dar. Dazu zählte insbesondere der in großem Umfang betriebene Ausbau des Autobahnnetzes ab den 50er Jahren, die allgemeine Verbesserung des Straßennetzes sowie die Erleichterung und Förderung des privaten und gewerblichen Straßenverkehrs. Aber auch die allgemeine Verbesserung der Wasserstraßen, wie beispielsweise die Moselkanalisierung, schwächte die Stellung der Hochwaldbahn merklich.

Im Jahre 1983 wird der Schillinger Bahnhof abgebrochen.

Der Bedeutungsrückgang des Schienenverkehrs und die damit verbundenen Rationalisierungsmaßnahmen der Deutschen Bundesbahn waren letztendlich auch der Grund für die Stilllegung des Personenverkehrs der Linie Trier – Hermeskeil im Mai 1981. „Der letzte Zug verließ den Bahnhof in Hermeskeil um 11.38 Uhr in Richtung Trier. Keine Offiziellen, keine Fahnen, keine Girlanden, nur ein kleines Blumensträußchen für den letzten Zug nach Trier“, erinnert sich Dittmar Lauer.

MIT DEM RAD DURCH DEN HOCHWALD

Nach offentsichtlich schwierigen Verhandlungen mit der Deutschen Bahn, die Dietmar Lauer als Trauerspiel bezeichnet und die auch von Seiten der Bahn als mühsam und kontrovers wahrgenommen wurden, ist die Bahntrasse mittlerweile im Besitz des Kreises Trier-Saarburg. Allerdings bedauert der Geschichtsforscher, dass die meisten Bahnhofsgebäude verkauft wurden und damit der Öffentlichkeit nicht mehr zugänglich sind. Eine Ausnahme ist das Bahnhofsgebäude in Kell am See, das vom dortigen Heimat- und Kulturverein als Bau- und Geschichtsdenkmal erhalten wird und Besuchern offensteht. 

Die Bahntrasse im Jahr 2005.

Aufgrund der Bedingung, die Trasse müsse erhalten bleiben, da man ja nie wüsste was später noch kommt, entschied sich der Kreis für die Konversion der Trasse zum Radweg. Der Ruwer-Hochwald-Radweg soll im Jahre 2009 fertig gestellt sein.

Literatur & Quellen

Lauer, Dittmar (1983), Der Hochwald, Günther & Enz-Verlag, Trier.

Lauer, Dittmar (1989), Mit der Hochwaldbahn durch's Ruwertal, Druckerei Ensch GmbH, Trier.

Heimat- und Kulturverein Kell am See/Jürgen Küster