Thementour Burgen und Mühlen

Ein Volkswirt als Burgherr

Sommerau ist zwar mit 70 Einwohnern die kleinste Gemeinde in der Verbandsgemeinde Ruwer, hat dafür aber seit mehreren Jahrhunderten eine Burg, die über den Dächern thront. Mehrmals im Verlauf der Geschichte wurde sie erobert, verwüstet und wieder aufgebaut. Sie verfiel zur Ruine, wechselte mehrfach zwischen weltlichen und kirchlichen Besitzern und gehört heute einem Winzer.

 

 

Michael Willkomm, der heutige Besitzer der Burgruine Sommerau, wurde 1949 in einer Familie geboren, die auf eine lange Tradition als Winzerfamilie zurückblickt. Sein Vater kaufte 1962 das Gut des Sommerauer Schlossbergs mitsamt der Burgruine. „Er wollte eigene Weinberge bewirtschaften". In Sommerau bot sich eine günstige Gelegenheit, ein Weingut in entsprechender Hektargröße zusammengelegt zu erwerben“, erzählt sein Sohn. Die Burg befand sich damals in einem schlechten Zustand. In den Jahren 1978 bis 1980 konnte endlich realisiert werden, was so oft zuvor gescheitert war: Die Sanierung der Burg wurde in Angriff genommen. Fördergelder konnten aufgetrieben werden, die Gemeinde beteiligte sich ebenso wie die Familie Willkomm. „Mein Vater hielt sich immer sehr gerne in Sommerau auf“, berichtet Willkomm. Auch er selbst habe als Kind häufig in der Ruine gespielt. Diese langjährigen Besitzverhältnisse haben dafür gesorgt, dass „unsere Familie eine besondere Beziehung zu Schloss Sommerau hat“.

Michael Willkomm, Winzer in Sommerau

Nach dem Studium der Volkswirtschaftslehre in Bonn stieg Michael Willkomm als Exportleiter in das Unternehmen ein, das er heute leitet. Die Firma verfügt über insgesamt 40 Hektar Steillagen an der Mittelmosel und zwei Weingüter in Trier und Sommerau. Vermarktet werden vor allem Weine von Rhein und Mosel. Für die nähere Zukunft plant das Unternehmen den Aufbau des größten deutschen Barrique-Kellers in Bernkastel-Kues, der auch für Besucher zugänglich sein soll. Im Angebot wird auch eine umfangreiche Probe verschiedener Rotweine enthalten sein.

 

 

 

Eine Ruine als Mittelpunkt des Ortes

An den alten Kaminzügen und den Ansätzen für die Deckenbalken lässt sich ablesen, dass die Ruine Sommerau früher tatsächlich bewohnt war. Heute leben die Menschen zwar nicht auf, sondern unterhalb der Burg, und trotzdem ist sie aus ihrem Leben nicht mehr wegzudenken, wie eine Umfrage in Sommerau zeigt:

 

Christina Merschen, 20: „Die Burg macht das idyllische Bild und den Charakter von Sommerau aus. Sie ist ein schöner Ausflugspunkt, wenn man mal Gäste hat. Die sind dann immer total begeistert.“

 

Irmgard Franzen, 79: „Die Burg gehört zu uns: Sie ist unser Heiligtum und sie wird viel besucht.“

 

Timm Schlösser, 9: „Ich spiele ganz oft auf der Burg. Wir werfen immer Steine an die Burg, damit die Turmfalken wegfliegen. Manchmal fotografieren wir die auch. Ich bin auch schon nachts mit Fackeln da hoch und habe mit Freunden von Gutweiler aus eine Nachtwanderung gemacht.“

 

Emmy Joswig, 68: „Jedesmal, wenn ich kam, sagten meine Enkelkinder: ,Komm Oma, wir zeigen dir die Burg.’“

 

Doris Theis, 66: „Wir sind froh, dass wir die Burg haben: Sie gehört zum Dorf. Man hat oft das Gefühl, man müsste mal wieder dahingehen und gucken.“

 

Hermann Wagner, 75: „Auf der Burg werden Sommerfeste gefeiert, die wahnsinnig gut besucht sind. Die Burg wird dann abends beleuchtet, und das ist dann einfach nur schön.“

 

Doris Scherf, 49: „Wir wohnen genau unter der Burg. Wenn man aus dem Fenster sieht, guckt man immer dahin. Die Burg ist der Mittelpunkt Sommeraus. Wir hatten da auch schon schöne Feste gefeiert, an die ich immer wieder gerne denke. Wenn man als Sommerauer irgendwohin kommt, sagen alle: ,Die Burgkoben, die schwarzen Raben, kommen.’“

 

Sandra Baumgärtner, 35: „Man kann da oben ein schönes Picknick machen, von daher ist die Burg also immer ein gutes Ausflugsziel.“

 

Winzer Michael Willkomm, 56: „Wir wünschen uns, dass die Burg weiter erhalten bleibt und die Sommerauer weiterhin ihre Dorffeste dort feiern, die sehr viel Anklang finden.“