Ehemalige ROMIKA-Produktionsstätte in Gusterath-Tal

Alles unter einem Dach

Wo das Ruwertal am engsten und der Wald am dichtesten ist, weisen noch heute alte Industriebauten auf den industriellen Aufschwung im Hunsrück in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts hin. Die Eisenbahnlinie in den Hochwald hat es möglich gemacht. Die Bauten in Gusterath-Tal, die heute als ROMIKA-Gelände bekannt sind, dienten im Jahre 1890 noch zur Erzwäsche, also zur Säuberung und Aufbereitung von Erz. Das Erz, das in der "Waasch" in Gusterath-Tal aufbereitet wurde, stammte aus einem Bergbaubetrieb in Hockweiler. Verschiedene ungünstige Rahmenbedingungen führten dazu, dass 1893 sowohl im Bergwerk in Hockweiler als auch in der Erzwäche in Gusterath-Tal nahezu alle Arbeiter entlassen und die Produktion eingestellt wurde.

1916 wurden die leer stehenden Fabrikgebäude in Gusterath-Tal von der Kölner Schuhfabrik Rollmann & Mayer übernommen. Laut Handelregister gründeten der jüdische Schuhfabrikant Hans Rollmann am 29.12.1921 die Schuhfabrik Ro mi ka in Gusterath-Tal zusammen mit dem christlichen Partner Carl Michael und jüdischen Partner Karl Kaufmann.

In den Jahren 1927 bis 1931 nahm die Romika einen rasanten Aufschwung. Die Belegschaft in Gusterath-Tal umfasste 1927 zweihundert Arbeiter, 1928 vierhundert Arbeiter und zwanzig Angestellte, 1931 stieg sie zeitweilig auf über tausend Mitarbeiter. Für die große Anzahl von Mitarbeitern und die erweiterte Produktion reichten die übernommenen Gebäude der Erzwäsche nicht mehr aus und mussten erneuert werden. Das sogenannte Konfektions-gebäude, der erste Neubau, der im Jahr 1929 zu den bestehenden Fachwerk-bauten der Erzwäsche hinzukam, hat bis heute nichts von seinem Charme verloren.

Die beiden Firmen, die Firma Rollmann & Mayer in Köln sowie die Firma Romika in Gusterath-Tal, waren wirtschaftlich eng miteinander verflochten. Nach der Machtergreifung durch die Nationalsozialisten im Jahr 1933 führten die nationalsozialistischen Boykottmaßnahmen gegen beide "jüdischen Schuh-fabriken" dazu, dass diese in wirtschaftliche Schwierigkeiten gerieten und Ende 1935 Konkurs anmelden mussten. Zudem waren die jüdischen Inhaberfamilien zahlreichen Übergriffen ausgesetzt. Sie flüchteten im August 1935 ins Ausland. Hans und Marie Rollmann nahmen sich am 31. Mai 1940 in Calais/Frankreich aus Angst von der Ergreifung durch die Nationalsozialisten das Leben.

Im April 1936 wurde die Romika GmbH als Auffanggesellschaft gegründet, die die Schuhproduktion in Gusterath-Tal unter den Geschäftsführern Hellmuth Lemm und Franz von Holmblad weiterbetrieb.

In den 60 er Jahren hatte das Unternehmen unter Hellmuth Lemm seine erfolgreichste Zeit und stellte bis zu zwölf Millionen Paar Schuhe pro Jahr her.

1994 stand das damalige Familienunternehmen vor dem Konkurs und wurde von dem Schweizer Rene C. Jäggi aufgekauft, mit einer Bürgschaft des Landes Rheinland-Pfalz. Er entließ in Deutschland 600 von 800 Mitarbeitern, verlagerte die Produktion größtenteils in Ausland und versuchte das Image der Marke zu modernisieren.

Ende der 90 er Jahre schrieb das Unternehmen wieder schwarze Zahlen. 2000 stellte Romika weltweit knapp zehn Millionen Paar Schuhe her.

Nachdem die Romika GmbH aufgrund von Managementfehlern 2004 Insolvenz anmelden musste, erfolgte Anfang 2005 eine Übernahme durch die Hauensteiner Josef Seibel GmbH, die von den verbliebenen 150 Mitarbeitern in Trier allerdings nur noch  80 übernahm.

Am 12.07.2007 bezog Romika einen neuen Standort im Konversionsgebiet Trier-Nord. 

Die Vermarktung der Gebäude und Anlagen in Gusterath-Tal übernahm im Jahre 1999 ein Zweckverband bestehend aus der Kreisverwaltung Trier-Saarburg, der Verbandsgemeinde Ruwer sowie den Ortsgemeinden Gusterath und Gutweiler. Heute sind alle ehemaligen Gebäude und Flächen der Fa. Romika vermarktet und werden von verschiedenen Handwerksbetieben und Dienstleistern genutzt.

Wegbeschreibung

Aus Richtung Gutweiler kommend verläuft der Ruwer-Hochwald-Radweg anfangs entlang des ehemaligen ROMIKA-Geländes und ist nur durch eine Kreisstraße getrennt. Im weiteren Verlauf entfernt er sich immer mehr vom Gelände.

Erreichbarkeit

geringe Entfernung zum Radweg

leicht erreichbar