Wie Radler die Gastronomie in Schwung bringen

Der Radweg als Goldader?

 

Es ist sommerlich heiß und keine Wolke trübt den Himmel. Doch es sind nicht die Sonnenstrahlen, die der Bedienung den Schweiß auf die Stirn treiben. Zur Mittagszeit ist die Terrasse vor dem Gasthaus voll besetzt mit Radfahrern. Sie warten auf ihr wohlverdientes Radler um sich für den Rest der Strecke zu stärken.

Die mobile Küche von Michael Krämer (Foto: privat).

 

Die neue Kundschaft, die der Radweg in die Region bringt, ist der Gastronomie keineswegs entgangen. Lambert Norta vom Landesbetrieb Mobilität Rheinland-Pfalz war von Anfang an davon überzeugt, dass der Radweg auch neue Einnahmequellen bringen wird. Das Potential, Touristen auch langfristig anzulocken und zu begeistern, sei auf jeden Fall vorhanden. So könne die kulturelle Entwicklung des Raumes in vielfältiger Weise erfahren werden. Wein- und Bergbau, unterschiedlichste Brückenbauwerke, ein römisches Aquädukt und verschiedene historische Museen sind nur einige Beispiele des breit gefächerten Angebots.

Raus aus den Kinderschuhen

Als Urlaubsregion standen Ruwertal und Hochwald bislang im Schatten von Mosel und Eifel. „Bevor der Radweg gebaut wurde, steckte man hier touristisch eher in den Kinderschuhen“, räumt Wolfgang Annen, Bürgermeister von Pluwig, ein. Dass das nicht so bleiben muss beweisen die aktiven Gastwirte entlang des Radwegs.

 

Volle Terrasse im Gasthaus Reh.

Dazu gehört auch das inzwischen 40 Jahre alte Familienunternehmen Gasthaus Reh in Gusterath-Tal, das mit dem Radweg in seine besten Jahre gekommen ist: Bereits 2006 begann man damit, die bisherige Terrasse auf 70 Sitzplätze zu erweitern. Der Ausbau, so Elke Friedrich, Tochter der Inhaberin, hat sich definitiv gelohnt: „Der Zulauf an Gästen ist von Null auf Hundert gegangen.“ Von weiteren Investitionen will sie allerdings erst mal absehen und abwarten, was in den nächsten zwei Jahren auf dem Radweg geschieht.

 

Ein Konzept mit Zukunft

Noch einen Schritt weiter ging Michael Krämer, Besitzer des Hotels zur Post in Kell am See. Seit 2005 hat er sich mit seinem Betrieb schrittweise auf den Radtourismus eingestellt. Neben dem Bau einer Terrasse und einer Fahrradparkanlage bietet er auch radfahrgemäße Übernachtungsmöglichkeiten mit Waschgelegenheiten für Räder und durchschwitze Radklamotten. Da Krämer selbst regelmäßig in die Pedale tritt, weiß er genau, was Radfahrer wünschen. Dazu gehören beispielsweise auch organisierte Touren, die er auf dem Radweg oder durch die umliegenden Wälder anbietet. Eigens dafür hat er sich einen Kleinbus samt Fahrradanhänger zugelegt. Mit Blick auf die Zukunft ist der Hotelchef äußerst optimistisch: „Auch wenn das erst der Anfang ist, dann hat es sich auf jeden Fall schon gelohnt.“

 

Der Landgasthof Pluwigerhammer im Bau.

Nach Pluwig lockte der aufkommende Radtourismus Anfang 2007 sogar eine luxemburgische Investorengruppe. Mit circa 500.000 Euro soll ein leer stehendes Gebäude aus dem 19. Jahrhundert bis Mitte Juli in den Landgasthof „Pluwigerhammer“ verwandelt werden. Auf Grund seiner günstigen Lage direkt am Radweg und durch geschickte Vermittlungsarbeit der Gemeinde Pluwig hat das Hotel samt Restaurant bereits eine Pächterin aus der Region gefunden.

 

Ob es nur ein kurzfristiger Boom ist oder ob sich die Investitionen der Gastronomie in den Ruwer-Hochwald-Radweg rentieren werden, wird die Zukunft zeigen. Aber die Chancen auf weiter wachsende Besucherzahlen stehen gut. Michael Krämer ist sich sicher: „Wenn die Strecke 2008 erst einmal vollständig ausgebaut ist, werden auch Touristengruppen von weiter her kommen.“

 

 

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