Die herausragende Rebsorte im Ruwertal
Riesling liebt den Schatten des Herrn

- Riesling-Rebe im Fruchtstand.
Wer im weltberühmten Weinanbaugebiet Mosel-Saar-Ruwer besonders guten Riesling sucht, der findet in dem kleinen Seitental der Mosel den Ruwer-Riesling. Im Ruwertal wird fast ausschließlich Riesling angebaut, der aufgrund des besonderen Klimas auf den Schieferböden zu herausragenden Weinen reift. Zu verdanken ist dies auch dem Trierer Kurfürsten Clemens Wenzeslaus.
„Im Tal wird heute zu 95 Prozent Riesling angebaut“, sagt Ludwig Scherf, Vorstand der Winzergenossenschaft Kasel. Die kleinen grün-goldenen Trauben stellen jedoch hohe Ansprüche an Lage, Bodenqualität und Klima. Auch fordern sie vom Winzer viel Einsatz, denn jeder Weinstock muss 17 mal im Jahr bearbeitet werden. Nicht umsonst besagt ein Sprichwort: „Der Riesling braucht Sonne und Regen zur rechten Zeit und liebt den Schatten seines Herrn.“ Dennoch konzentrieren sich die Winzer im Ruwertal auf diese spezielle Rebsorte, die hier zu Spitzengewächsen heranreift.
Dies ist zunächst auf Weinbauverordnungen des Trierer Kurfürsten Clemens Wenzeslaus aus dem Jahr 1787 zurückzuführen. Diese besagten, dass schlechte Reben entfernt und durch gute ersetzt werden sollen. Welche Rebsorten damit genau gemeint waren, lässt sich nicht mehr eindeutig nachvollziehen. Es gibt aber Hinweise darauf, dass mit den guten Reben der Riesling gemeint war. In einem Beitrag des Kurfürstlich-Trierischen Landkalenders vom Jahr 1785 finden sich bereits Empfehlungen zur Qualitätssteigerung: Terrassenbau, Erweiterung des Abstandes zwischen den Rebstöcken und Bevorzugung der Riesling-Reben.
Winzernot führt zur Besinnung auf den Riesling-Anbau
Bis ins 19. Jahrhundert hinein dominierte noch die Rebsorte Kleinberg. Bis zur Winzernot zwischen 1827 und 1857, als durch die Gründung des deutschen Zollvereins Weine der anderen deutschen Rebengebiete auf die Preise drückten, hatte der Moselwein im preußischen Zollverein eine Monopolstellung. So wurden Höchstpreise ohne Rücksicht auf Menge und Güte erzielt. Die Rebflächen wurden ausgedehnt, die Produktivität zu Lasten der Qualität erhöht. Die Winzernot führte in den folgenden Jahren zunächst zu einer Stagnation, dann zu einer Reduktion der Rebflächen und schließlich zu einer Besinnung auf den Riesling-Anbau.

- Riesling-Reben auf dem wichtigen Schieferwitterungsboden.
Die Rebsorte hatte sich einfach bewährt: „Sie wächst auf den Schieferböden am besten und sie ist ideal für Steillagen“, sagt Winzerin Barbara Wünsch-Schirmer. „Die Trauben haben eine dicke Schale und viel Kern, was sie zum Essen ungenießbar macht, dem Wein aber nützt.“ Wenn die Riesling-Trauben für die begehrte Beerenauslese faulen, laufen sie nicht wie andere Rebsorten aus, erklärt die Winzerin, sondern es entsteht die so genannte Edelfäule, die bei Beerenauslesen und Trockenbeerenauslesen bevorzugt wird, weil sie einen ganz besonderen Ton gibt.
Klima und Boden bieten beste Voraussetzungen
Das Ruwertal bietet ideale Voraussetzungen für erstklassige Rieslingweine, weil das enge Tal für ein optimales Klima sorgt. Die Schieferverwitterungsböden sind zudem ein ausgezeichneter Wärmespeicher, was für eine lang reifende Traube wie den Riesling entscheidend ist.
Aber auch seine Geschmackseigenart lässt den Riesling so dominieren. „Riesling schmeckt in jeder Variation, ob trocken oder lieblich,“ sagt Winzer Christoph von Nell. „Er hat immer eine prägnante Eigenart und eine rassige Säure. Außerdem ist er langlebig“. Ludwig Scherf ergänzt: „In den 70er Jahren wurden viele Neuzüchtungen ausprobiert, mit denen man aber nicht so gut zurecht gekommen ist. Heute sind fast alle wieder verschwunden.“




