Der Züscher Hammer schlägt heute wie vor 400 Jahren
Der Sound der Vergangenheit
Gräser wiegen sich im Wind, Glockenblumen, Klee, Lupinen, Brennnessel und Sumpfdotterblumen wachsen im schmalen Altbachtal. Die perfekte Idylle. Es braucht etwas Phantasie, um sich vorzustellen, dass dies einmal ein Industriestandort war: Der Züscher Hammer, ein Eisenwerk mit all seinen “Zulieferbetrieben“.
In der Umgebung wurde das Erz gewonnen und der Wald weitläufig gerodet. Köhler verarbeiteten die Bäume zu Holzkohle für den Hochofen, in dem das Eisen geschmolzen wurde. All das war erforderlich für den Betrieb des Hammers, der von einem Mühlrad in Gang gesetzt wurde. Mit ihm wurde hier seit etwa 1600 das glühende Metall zu Werkzeugen geschmiedet.

- Das Hammerhaus mit Grabensystem.
Tänzelnde Wasser
Seit 150 Jahren ist der Ofen erloschen, der Hammer stillgelegt und der Wald hat sich das Land zurückgeholt. Seit 1983 dreht sich allerdings das Mühlrad wieder: mit Unterstützung des Landesmuseums wurde das Werk mit dem Hammergestell und vier der Nebengebäuden freigelegt. Betrieben wird der Hammer heute mit nachgebauter Technik. Der ehemalige Züscher Ortsbürgermeister Palmatius Kohlhaas führt den Hammer auf Anfrage über die Touristinfo Besuchern vor und erzählt über die Eisenverhüttung und von "damals".
Auf dem Gelände sind heute noch die auf das frühe 17. Jahrhundert datierten Fundamente der ehemaligen Wohn- und des Gerätehauses zu sehen. Das Haupthaus jedoch wurde zum Schutz des Hammers wieder über die alten Mauerreste aus Holz aufgebaut.

- Eisenverhüttung am Züscher Hammer in einer zeitgenössischen Darstellung.
Holzreichtum und Wasserkraft
Schon von den Kelten wurde hier Erz gefunden und verhüttet, später sicherten sich im 14. Jahrhundert die Trierer Kurfürsten die Rechte am Bergbau. Doch die mehr oder weniger industrielle Nutzung beginnt erst mit dem Züscher Hammer. Allerdings wurde das Werk schon bald nach seiner Entstehung im Dreißigjährigen Krieg zerstört, und erst zum Ende des 17. Jahrhunderts erfährt der Erzabbau durch den Eisenindustriellen Remacle Joseph Hauzeur einen wirklichen Aufschwung. Seit dem späten 18. Jahrhundert bringt das Werk unter der Familie Pastert bescheidenen Wohlstand in die Region, doch die Produktion stagniert zunehmend; 1843 wird das Werk stillgelegt.
Heute führt ein kleiner Holzsteg am Rad vorbei zum Eingang der Hütte. Drinnen sind im Wasser noch die hölzernen Reste des alten Hammers zu sehen, der neue ist daneben aufgebaut; ein zwei Meter langer massiver Balken an deren Ende der eiserne Hammerkopf befestigt ist. Noch heute lässt sich erkennen, wo einst der Ofen stand. Das Mauerwerk ist schwarz, erkaltete Eisenspritzer lassen sich am Stein ertasten, erkaltete rostrote Schlackebrocken liegen am Boden.
„Holzreichtum und Wasserkraft“, erzählt Palmatius Kohlhass, waren einst Standortfaktoren, doch „Holzkohle wird nicht so heiß“. Die andernorts neugebauten Kohlehochöfen konnten das Eisen effizienter verhütten.





