Adresse:

Züscher Hammer

54422 Züsch

 

Kontakt:

Touristinformation Hermeskeil

Trierer Straße 49

Tel: 06503 / 95 350

E-Mail: info@hermeskeil.de

Der Züscher Hammer schlägt heute wie vor 400 Jahren

Der Sound der Vergangenheit

Gräser wiegen sich im Wind, Glockenblumen, Klee, Lupinen, Brennnessel und Sumpfdotterblumen wachsen im schmalen Altbachtal. Die perfekte Idylle. Es braucht etwas Phantasie, um sich vorzustellen, dass dies einmal ein Industriestandort war: Der Züscher Hammer, ein Eisenwerk mit all seinen “Zulieferbetrieben“.

 

In der Umgebung wurde das Erz gewonnen und der Wald weitläufig gerodet. Köhler verarbeiteten die Bäume zu Holzkohle für den Hochofen, in dem das Eisen geschmolzen wurde. All das war erforderlich für den Betrieb des Hammers, der von einem Mühlrad in Gang gesetzt wurde. Mit ihm wurde hier seit etwa 1600 das glühende Metall zu Werkzeugen geschmiedet.

Das Hammerhaus mit Grabensystem.

Tänzelnde Wasser

Seit 150 Jahren ist der Ofen erloschen, der Hammer stillgelegt und der Wald hat sich das Land zurückgeholt. Seit 1983 dreht sich allerdings das Mühlrad wieder: mit Unterstützung des Landesmuseums wurde das Werk mit dem Hammergestell und vier der Nebengebäuden freigelegt. Betrieben wird der Hammer heute mit nachgebauter Technik. Der ehemalige Züscher Ortsbürgermeister Palmatius Kohlhaas führt den Hammer auf Anfrage über die Touristinfo Besuchern vor und erzählt über die Eisenverhüttung und von "damals".

Auf dem Gelände sind heute noch die auf das frühe 17. Jahrhundert datierten Fundamente der ehemaligen Wohn- und des Gerätehauses zu sehen. Das Haupthaus jedoch wurde zum Schutz des Hammers wieder über die alten Mauerreste aus Holz aufgebaut.

Eisenverhüttung am Züscher Hammer in einer zeitgenössischen Darstellung.

Holzreichtum und Wasserkraft

Schon von den Kelten wurde hier Erz gefunden und verhüttet, später sicherten sich im 14. Jahrhundert die Trierer Kurfürsten die Rechte am Bergbau. Doch die mehr oder weniger industrielle Nutzung beginnt erst mit dem Züscher Hammer. Allerdings wurde das Werk schon bald nach seiner Entstehung im Dreißigjährigen Krieg zerstört, und erst zum Ende des 17. Jahrhunderts erfährt der Erzabbau durch den Eisenindustriellen Remacle Joseph Hauzeur einen wirklichen Aufschwung. Seit dem späten 18. Jahrhundert bringt das Werk unter der Familie Pastert bescheidenen Wohlstand in die Region, doch die Produktion stagniert zunehmend; 1843 wird das Werk stillgelegt.

Heute führt ein kleiner Holzsteg am Rad vorbei zum Eingang der Hütte. Drinnen sind im Wasser noch die hölzernen Reste des alten Hammers zu sehen, der neue ist daneben aufgebaut; ein zwei Meter langer massiver Balken an deren Ende der eiserne Hammerkopf befestigt ist. Noch heute lässt sich erkennen, wo einst der Ofen stand. Das Mauerwerk ist schwarz, erkaltete Eisenspritzer lassen sich am Stein ertasten, erkaltete rostrote Schlackebrocken liegen am Boden.

„Holzreichtum und Wasserkraft“, erzählt Palmatius Kohlhass, waren einst Standortfaktoren, doch „Holzkohle wird nicht so heiß“. Die andernorts neugebauten Kohlehochöfen konnten das Eisen effizienter verhütten.

So funktioniert's

Mit dem Mühlrad dreht sich die Antriebswelle, an der rundherum an einer Manschette faustgroße Eisenkeile befestigt sind. Haut einer dieser Zapfen auf das Ende des Hammers, wird der Kopf in die Höhe geworfen und fällt auf einen Block. Was hier liegt, behält nicht seine Form. Reck-, Stab-, Nagel- und Reifeisen wurden so gefertigt aber auch Teile für Ackergeräte.

Chronik
  • um 1600 Entstehung
  • 1627 Entstehungsjahr der erhaltenen Fundamente
  • 1655 wieder in Betrieb
  • 1694 R. J. Hauzeur erhält das Werk, Gründung "Neuhütten"
  • 1784 Heinrich Detmar Pastert erwirbt das Werk
  • 1822 Übernahme durch Sohn Maximilian Pastert
  • Produktion: im Jahr 1.000 Zentner Schmiedeeisen, vier Arbeiter
  • 1834 Verkauf an Unternehmer Gottbill
  • 1843 Stilllegung des Werkes
  • 1983 Beginn der Freilegung der Fundamente
  • seit 2001 Vorführbetrieb
Erz-katholisch

Der Lütticher Eisenindustrielle Remacle Joseph Hauzeur brachte aus der Wallonie nicht nur seine Arbeiter, sondern auch den Katholizismus in die Region – und sorgte damit für einige Spannungen: Denn die Herren von Züsch waren evangelisch und der "katholischen Konkurrenz" gegenüber misstrauisch. Es entbrannte ein Religionsstreit, der sich unter anderem in der Frage entzürnte, welche Seite den höchsten Kirchturm bauen dürfe. Denn nachdem der Ort „Neuhütten“ aus verschiedenen Ansiedlungen der wallonischen und weiteren katholischen Arbeitern aus Trier entstanden war, wurde Züsch selbst zu einer evangelischen Enklave. Noch in seiner Kindheit war das „wie Ausland“, erinnert sich etwa der Keller Heimatforscher Dietmar Lauer.

impressum