Das Bergbaumuseum mit dem Sonnenuntergang
Im Hochwald ganz unten
Während Bergleute andernorts noch um den Erhalt ihrer Zechen kämpfen, war in der Grube Barbara-Hoffnung zwischen Thomm und Fell schon 1968 endgültig Schicht im Schacht. Unter Tage jedoch blieb alles wie es war – ganz so als wäre nur vorübergehend geschlossen. Und tatsächlich wurde die Grube mit den Stollen „Barbara“ und „Hoffnung“ 1997 wieder eröffnet – als Besucherbergwerk.
Im Dunkel des Berges
In Thomm zeugt schon am Ortseingang ein gemauerter Schachteingang, aufgeschüttet mit Schieferplatten von einer langen Tradition als Bergbaugemeinde. Im Ort selbst ist fast jedes Haus mit Schiefer gedeckt, die Kirche ist komplett aus Schiefer gemauert. Von hier führt ein Wanderweg 45 Minuten durch den Wald zum Bergwerk. Während draußen die Wälder in grünen Wogen die Hügel überziehen, lässt sich 70 Meter unter Tage die dunkle Seite der Bergwelt entdecken. Lange, sparsam beleuchtete Stollen dringen tief in den Fels ein und münden in bizarr-schroffe unterirdische Hallen, umgeben von mächtigen Bergmauern.
Schon im vierten Jahrhundert hatten die Römer den Ort Fell gegründet und Schiefer abgebaut, damals jedoch im Tagebau, denn der Bedarf war eher gering. Erst im Mittelalter wuchs die Nachfrage, besonders von Klöstern und Kirchen. Im Nosserntal zwischen Thomm und Fell entstanden deshalb insgesamt 40 Bergwerke.
Hochwertiger Schiefer, erfahren die Besucher unter Tage, findet sich aber nicht überall im Berg. Die Ausbeute beim Abbau ist gering, der Großteil des abgebauten Gesteins bleibt als Abraum im Berg zurück oder wird auf Halden nach draußen geschafft. Nur zehn Prozent des Schiefers, können für die Dacheindeckung verwendet werden, denn nur dieser Teil enthält wenig Kalk und Eisen, so dass die Platten nicht brüchig und rostig werden.
Hommage an das Licht
„Schiefer wurde grundsätzlich von der Sole zur Fürste abgebaut“, erklärt die Museumsführerin. Die Fürste ist die Decke der Kammer, und hier sind teilweise noch gut die Bohrlöcher erkennbar, über die der Fels Schicht für Schichte nach oben hin gesprengt und gebrochen wurde. Jahr für Jahr wuchsen die Fürste höher, so dass in der Grube „Barbara-Hoffnung“ bis zu 30 Meter hohe domartige Hallen entstanden sind.
Guter Schiefer liegt hier immer noch genug, doch die Arbeit war unrentabel geworden. Und sie war alles andere als ungefährlich. Nicht umsonst wurden die aus der Fürste geschlagenen Blöcke „Sargdeckel“ genannt. Im Bergwerk schuftete nur, wer sonst keine Arbeit fand. „Die Tagelöhner arbeiteten buchstäblich für eine Kohlsuppe.“ Die Bergleute arbeiten mit einfachen Kitteln und Lederkappen täglich zehn bis elf Stunden kaum geschützt in ständiger Nässe und Dunkelheit.
Heute wird die größte Kammer der Grube bei jedem Rundgang aus völliger Dunkelheit heraus mit rotglühendem Licht geflutet. Ein inszenierter Sonnenaufgang als Hommage an das Licht, das die Bergleute besonders im Winter fast nie sahen: Es war Dunkel auf dem Weg zur Arbeit, Dunkel unter Tage und Dunkel nach Feierabend. Ungesünder konnte ein Arbeitsplatz kaum sein: Um 1900 lag die durchschnittliche Lebenserwartung eines Bergmanns bei gerade 42 Jahren.






