Weinbau im Ruwertal

Winzer im Kontor bürgt für Qualität

Ein fast 2000 Jahre altes Relief, das einen Winzer im Weinkontor darstellt, ziert heute viele Ruwer-Weinflaschen. Das Relief gilt als ältestes Zeugnis des Weinbaus im Ruwertal und ist das Gütesiegel für den Wein aus dieser erstklassigen Lage, der an Hang- und Steillagen mit viel Handarbeit angebaut wird.

 

Zahlreiche Ruwer-Weine tragen das Symbol auf dem Etikett, auf der Halsschleife oder der Verschlusskapsel. Bei diesem Bild handelt es sich um die Abbildung eines Reliefs aus dem zweiten Jahrhundert nach Christus, das am 21. Juli 1900 zwischen Trier und Ruwer an der Gemarkung Mertesdorf bei archäologischen Grabungen an der römischen Ruwer-Wasserleitung gefunden worden ist.  Es soll sich um ein Grabmal eines an der Ruwer ansässigen Weinbauern handeln, dem ältesten Zeugnis des Weinbaus im Ruwertal.

Original (links) und Abbildung: Das römische Relief des Winzers im Weinkontor liefert die Vorlage für das Gütesiegel allen Flaschen mit Ruwerwein. Foto Relief: Th. Zühmer, Rheinisches Landesmuseum Trier

Heute dient das Symbol auf den Etiketten als Herkunftsabzeichen. Flaschen, die dieses Symbol tragen, enthalten garantiert Ruwer-Weine. Auf den Hauptetiketten steht natürlich auch die gesetzlich vorgeschriebene Regionalbezeichnung  „MOSEL-SAAR-RUWER“. Das Herkunftszeichen „Winzer im Weinkontor“ bezeugt aber, dass es sich ausschließlich um Wein von der Ruwer handelt und nicht aus dem gesamten Weinanbaugebiet verschnitten worden ist.

Viel Handarbeit auf 300 Hektar Hang- und Steillagen

Rebe am traditionelen Einzelpfahl.

Hergestellt wird der Ruwer-Wein von mehr als 30 Winzern, die im Tal ansässig sind. Sie bewirtschaften insgesamt eine Fläche von 200 Hektar, aus denen im Jahr etwa zwei Millionen Flaschen Wein entstehen. Bei den Flächen handelt es sich ausschließlich um Hang- und Steillagen, die viel traditionelle Handarbeit erfordern. Das Schneiden und Binden der Reben sowie die Lese müssen von Hand erledigt werden. „Mit der Lese sind wir bei einer Rebfläche von sieben Hektar mit fünfzehn Personen drei bis vier Wochen beschäftigt“, sagt Winzer Christoph von Nell. Bei der Reben-Erziehung setzen die meisten Winzer auf das älteste System, die so genannte Einzelpfahl-Erziehung, bei der Reben bogenförmig an einen Pfahl gebunden werden. Nur selten findet sich Drahtrahmen-Erziehung, bei der die Reben an Drähte gebunden werden, die zwischen Pfosten gespannt werden.

Rebe am modernen Drahtrahmen.

Heute ist immerhin der Einsatz von Schmalspurraupen möglich, und die Schädlingsbekämpfung erfolgt zum Teil mit Hilfe eines Hubschraubers. Beim Weinausbau greift mancher Winzer nicht nur auf die traditionellen Holzfässer zurück, sondern setzt auch moderne Edelstahltanks ein. Diese ermöglichen durch die Temperaturregelung einen kontrollierten Gärungsprozess, der entscheidend für die Qualität des Weines ist.

 

Kleines Weinlexikon

Drahtrahmen-Erziehung: Wuchshilfe für Rebstöcke. Dabei werden zwischen Pfosten zwei bis sechs Drähte übereinander oder auch paarweise gespannt, an denen sich die Reben emporranken können.

 

Einzelpfahl-Erziehung: Der Weinstock steht an einem Pfahl, an den die Fruchtruten bogen- beziehungsweise herzförmig gebunden werden.

 

Kapsel: Abdeckung für Flaschenhals und Korken. Sie verhindert das Verdunsten des Weines bei längerer Lagerung und schützt den Korken vor der Korkmotte.

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