Straußwirtschaften im Ruwertal
Die Idee von Karl dem Großen

- Straußwirtschaft des Weinguts Mertes: Winzer Wolgang Mertes (2.v.r.) mit seinen Gästen.
Man findet sie in allen Weinbaugebieten Deutschlands und sie gehören zum Ruwertal wie der Wein und die Reben: die Straußwirtschaften. Für eine begrenzte Zeit im Jahr schenken die Winzer in einem urigen Gewölbekeller, einer umgebauten Scheune oder im Reben bewachsenen Innenhof des Weingutes selbst erzeugte Weine aus. Ein ganz besonderes Ambiente für Speis und Trank, das man in Kasel und Waldrach bis zu 11 Mal erleben und bequem per Rad erreichen kann.
Die Straußwirtschaften blicken auf eine Jahrhunderte lange Tradition zurück. Der Legende nach erlaubte Karl der Große seinen Gutsverwaltern im Jahr 813 eigene Weine zu bestimmten Zeiten im Jahr an ihre Gäste auszuschenken. Die einzige Bedingung war, dass dieses Angebot entsprechend durch das Anbringen eines Straußes, Busches oder Kranzes angezeigt werden musste. Der Strauß an der Tür ist nicht nur Namensgeber, sondern oftmals auch als Sitte bis heute erhalten geblieben
Die strengen gesetzlichen Auflagen sind inzwischen für viele Winzer ein Grund, die Abkömmlinge ihres Weingutes zu schließen. Nach den derzeit gültigen Gesetzen darf ein Winzer seine Straußwirtschaft für höchstens vier Monate im Jahr öffnen. Oft wird diese Zeit geteilt in zwei Monate im Frühjahr und zwei Monate im Herbst. Neben eigenen Weinen und einigen alkolholfreien Getränken dürfen nur einfache Gerichte aus eigener Herstellung angeboten werden. So finden zum Beispiel Hausmannsteller mit Blut- und Leberwurst, Camembert mit Preiselbeeren oder ein einfaches Schinkenbrot meist direkt aus der Küche der Winzersfrau ihren Weg zu den Gästen. Auch die Zahl der Sitzplätze ist nicht beliebig. Für höchstens 40 Personen kann die Strauße Platz bieten.
Diese Vorschriften wollen viele Winzer nicht mehr befolgen. An Stelle der Straußwirtschaft tritt nach Anbau einer Toilettenanlage und separaten Küche eine Gutsschenke mit ganzjähriger Öffnungszeit. Die Umwandlung der Strauße wird oftmals nur durch ein Argument verhindert: der Stolz des Winzers, nicht Wirt sondern Winzer zu sein.




